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Hunde und Kinder in einem Haushalt

Hunde und Kinder in einem Haushalt

Als unsere Tochter geboren wurde, fanden wir, dass es eine besonders witzige Idee sei, eine Geburtsanzeige an all unsere Freunde, Bekannten, Arbeitskollegen und Verwandten zu schicken, auf der unsere damals einjährige Schäferhundmischlingshündin Eliza abgebildet war, unter deren Foto zu lesen stand: „Mein Rudel ist größer geworden …“ und im Innenbereich der Klappkarte folgte der Hinweis: „Mein Herrchen und mein Frauchen freuen sich mit mir über die Geburt ihrer Tochter Dominique“.

Wir fanden diese Idee witzig … aber diese Meinung teilten viele der von uns Angeschriebenen nicht so wirklich und monierten, dass es geschmacklos sei, den Hund in den Vordergrund einer Geburtsanzeige zu rücken, als sei das neugeborene Kind eine Nebensache. Manche fragten sogar: „Ist Euch der Hund wichtiger, als Eure Tochter?“

Unsere Hunde gehören zur Familie

Von der Seite hatten wir das natürlich nicht betrachtet, denn für uns gehörten unsere Hunde von je her zur Familie und wir waren eben ihre Rudelmitglieder, aber dass es natürlich auch Menschen gibt, für die ein Hund ein Haustier ist – nicht mehr, aber auch nicht weniger – und die mit Empörung reagierten, als an der sonst üblichen Stelle des Babyfotos ein Hundebild getreten war, welches das Foto des Säuglings ins Innere der Karte verbannte, mussten wir so akzeptieren.

Allerdings war das Thema damit nicht vom Tisch – zumindest nicht für diejenigen, die so gar nicht über unsere Karte lachen oder zumindest lächeln konnten, denn die schauten abermals entsetzt, als wir unserem „Lieschen“ nicht verboten, mit uns und dem Besuch das Kinderzimmer zu betreten und die Hündin sich neben uns am Rand der Wiege aufstellte. „Darf der Hund mit hier rein“, war die pikierte Frage und als wir erstaunt die Gegenfrage stellten: „Warum denn nicht?“ da kam unisono der Ausruf: „Wegen der Bakterien!“

Gefahr für das Kind oder den Hund?

Wir verkniffen es uns natürlich, uns den Scherz zu erlauben, nun unsererseits die Frage zu stellen, ob da denn wohl die Gefahr bestünde, dass das Kind den Hund mit Bakterien infiziert, denn die Nerven waren schon zu sehr strapaziert und wir wollten nicht, dass das Thema zum Streit eskaliert.

Allerdings gibt es aus heutiger Sicht gleich zwei Argumente dafür, dass wir nicht falsch gehandelt hatten, denn zum einen war Liza Zeit ihres 15 Jahre andauernden Hundelebens die Hüterin und Beschützerin unserer Tochter und eine duldsame Gouvernante, an deren langem Fell sich das Kind, als es laufen lernte, mehr als einmal in die Höhe zog und Halt suchte, um nicht die Balance zu verlieren.

Gewiss hätten wir Hund und Kind nie allein miteinander gelassen. Nicht weil wir Angst hätten haben müssen, dass die Hündin das Kind beißt, sondern damit wir eingreifen konnten, bevor unser Töchterlein dem Hund hätte Schmerzen zufügen können. Dominique lernte aber auch schnell den Respekt und die Achtsamkeit gegenüber allen Tieren und auch wenn ihr Verhältnis zu jedem „Wauwau“ sehr entspannt war und uns als Eltern oft fast das Herz stehen zu bleiben drohte, wenn sie spontan einen Schäferhund umarmte und entzückt „Eisa!“ rief, weil sie Liza (Eisa war auch das dritte Wort nach Mama und Papa) noch nicht sagen konnte, wurde sie nie von einem Hund gebissen – vielleicht weil sie keine Angst vor Hunden hatte.

Unsere Tochter war nie ernsthaft krank

Unser zweites Argument, dass uns gewissermaßen auch im Nachhinein noch Recht gab ist, dass unsere Tochter nie ernsthaft krank war, obwohl sie keine Hemmungen hatte, den Hund auch mal an ihrem Eis lecken oder von ihrem Brötchen abbeißen zu lassen.

Das hätte uns in den Augen unserer Verwandten und den Unkenrufern, die uns Pest, Skorbut und Cholera für unser Kind prophezeiten, weil der Hund im Kinderzimmer liegen durfte, vermutlich endgültig als Eltern entqualifiziert.

Ein bisschen schade ist es vielleicht, dass es erst jetzt neue Studien gibt, die wiederholt beweisen, dass Haustiere Kleinkinder nicht nur nicht krank machen, sondern sogar ihre Immunabwehr stärken, denn das wäre natürlich ein Triumph über die Orakler für mich gewesen, den ich mir nur ungern hätte nehmen lassen wollen. Ihnen „unter die Nase zu reiben“, dass Kinder, die in Haushalten mit mindestens einem Hund leben, weniger anfällig für Infektionen, Asthma und anderen Atemwegserkrankungen sind und auch Allergien aller Art und Entzündungen bei diesen Kindern seltener auftreten – diese Mitteilung, wissenschaftlich bestätigt und aus seriösen Quellen recherchiert zu präsentieren, wäre mein innerer Reichsparteitag gewesen.

Hunde für die Stärkung des Immunsystems?

Aber logisch betrachtet ist das auch nachvollziehbar, denn das quasi noch im Kontakt mit Bakterien „unerfahrene“ Immunsystem eines Kindes, das früh in Kontakt mit den verschiedensten Bakterien tritt, wird deutlich schneller und besser aktiviert und geschult – schließlich hat es auch ordentlich was zu tun, denn was nicht zu verleugnen ist (das streite auch ich nicht ab), ist die Tatsache, dass das Hundefell natürlich Raum für mancherlei Leben birgt. Ungeziefer können sich darin gut verstecken.

Trotzdem konnte in vergleichenden Studien festgestellt werden, dass sich vor allem der Kontakt mit Tieren während des ersten Lebensjahres sehr günstig auf das Immunsystem und somit auf die Gesundheit der Kinder auswirkt und dass Kinder umso widerstandsfähiger werden, je größer die Vielfalt der Bakterien, Viren und Pilze ist, denen sie in den ersten Lebensjahren ausgesetzt sind.

Bleibt nur die Frage zu klären, wann es den Golden Retriever bei der Geburt eines Kindes bereits präventiv auf Krankenschein gibt oder die Katze auf Rezept zur Vorbeugung vor grippalen Infekten.

Empfehlen könnte ich das wohl, denn wie ich schon schrieb: Kind und Hund blieben gesund und besonders das Kind beeindruckte durch besonders aktive Abwehrkräfte, denn es hatte weder im Kindergarten, noch in der Grundschule Fehltage. Und später waren sie auch eher dem Drücken vor einer Klassenarbeit geschuldet, für die nicht ausreichend gelernt worden war, als einer Infektion.

Hunde im Bett

Trotzdem gibt es natürlich Regeln zu beachten. Auch wir als „Hundemenschen“, die ihren Hunden auch gestatten am Fußende des Ehebettes zu schlafen – und bei unseren vierpfotigen Freunden handelt es sich um ausgewachsene Leonberger – beachten diese Regeln.

Da ist zum einen die regelmäßige Parasitenbekämpfung, zu der nicht nur das Spot-on gegen Flöhe zählt, sondern auch das Entwurmen.

Natürlich sollte man auch darauf achten, dass der Hund sich nicht im Sandkasten versäubert, aber er leckt sich unter umständen auch den Analbereich und dann können Wurmeier auf der Zunge sein und beim herzhaften „Hundekuss“ ins Gesicht des Kindes wandern.

Parasitenbekämpfung

Bei der Parasitenbekämpfung sollte man den Tierarzt darauf hinweisen, dass ein Kleinkind Zugang zum Hund hat und ein entsprechendes Präparat wählen, welches so wirkt, dass der Hund nur kurzfristig nicht angefasst werden sollte. Schließlich stecken Kleinkinder auch gerne ihre Hände in den Mund und weil es sich bei der Zusammensetzung von vielen Spot-on-Mitteln um den Einsatz von Nervengift handelt, wie beispielsweise um den Wirkstoff Imidacloprid, kann diese Art der Parasitenbekämpfung auch zum Risiko für Kleinkinder werden.

Eine Alternative ist der biologische Schutz gegen Lästlinge mit den natürlichen Substanzen Zitronella, Nelkenblütenöl und Margosa Extrakt, einem Biozidwirkstoff aus dem Samen des Neembaumes. Grundsätzlich ist es den Versuch wert, die Wirkung auszuprobieren, den Versuch mach bekanntlich klug, aber er birgt natürlich auch das Risiko, dass bei ausgeprägtem Parasitenbefall die „chemische Keule“ effizienter wirkt und sowohl den Hund, wie auch das Kind vor Milben, Zecken und Flöhen schützt, die im Übrigen auch als Überträger des Bandwurms bekannt sind. Wer ein Kombipräparat verwendet, das auch gegen Bandwürmer wirkt, kann in jedem Fall sicher sein, dass die Prophylaxe weitreichend ist.

Windeln nutzen bei Geburt des Kindes

Und nun noch ein Tipp, den wir erhielten und umsetzen, denn uns war ja daran gelegen, dass unser Rudel auch so groß bleibt: Mein Mann brachte vom Besuch aus dem Krankenhaus eine benutze Windel und einen benutzten Strampelanzug unserer Tochter mit und ließ unsere Hündin daran riechen. So kannte sie den Geruch des Kindes schon, als wir Dominique mit nach Hause brachten. Ich möchte auch fast behaupten, dass unsere Hündin Liza das Kind „adoptierte“, weil wir unsere Hündin nicht ausschlossen und sie durch das Baby nicht an Wichtigkeit für uns verlor und damit bestand auch kein Grund zur Eifersucht für sie.

Dafür musste ich schon bald darauf feststellen, dass unser freundlicher Familienhund niemanden den Kinderwagen anfassen ließ, denn als mir ein freundlicher junger Mann helfen wollte, das Gefährt in die Straßenbahn zu tragen, knurrte Liza ihn sehr nachdrücklich an und da war ich sicher, dass sie den „Menschenwelpen“ zur Not auch mit ihrem eigenen Leben beschützt hätte…

Insgesamt kann man sagen, dass Tiere fast immer eine Bereicherung für Kinder sind.

Bildnachweis: monkeybusinessimages / Bigstock.com